Das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm beschreibt „Geistesblick“ als „Blick des Geistes mit dem geistigen Auge“. Gemeint ist ein inneres Erkennen: etwas gedanklich zu erfassen und Zusammenhänge zu durchschauen.
Johann Wolfgang von Goethe schrieb in seinen Nachträgen zur Farbenlehre vom „leuchtenden Geistesblick“. Das Bild beschreibt eine aufleuchtende Einsicht, die sich anderen mitteilen lässt. In seinem Text über Lord Byrons „Kain“ beschrieb Goethe außerdem, wie Byron „mit glühendem Geistesblick“ Vergangenheit und Gegenwart durchdringt und von dort aus auch das Zukünftige erfasst. Hier geht es um die schöpferische Kraft, über das unmittelbar Gegenwärtige hinauszudenken.
Auch in einer Beschreibung Immanuel Kants begegnet der Begriff: Sein Biograf Reinhold Bernhard Jachmann schilderte, wie aus Kants Auge „der tiefe Geistesblick“ hervorleuchtete. Hier wird geistige Tiefe im Blick eines Menschen anschaulich. Dem Verständnis vom „Blick des Geistes“ schließe ich mich an.